Welche Länder sind die säkularsten der Welt und wie werden sie eingestuft?

Ein Land kann sich in seiner Verfassung als laizistisch erklären, ohne dass sich diese Laizität im täglichen Leben seiner Einwohner widerspiegelt. Im Gegensatz dazu behalten einige Staaten eine offizielle Kirche, während sie eine tief säkularisierte Gesellschaft präsentieren. Um zu verstehen, welche Länder tatsächlich die laizistischsten sind, muss man über die bloße Lektüre der Gesetze hinausgehen und beobachten, wie Religion (oder auch nicht) auf die Institutionen und die Bevölkerung wirkt.

Verfassungsmäßige Laizität und Säkularisierung: zwei unterschiedliche Realitäten

Wenn man von einem „laizistischen Land“ spricht, vermischt man oft zwei verschiedene Dinge. Das erste ist rechtlicher Natur: Der Staat erklärt in seiner Verfassung, dass er keine Religion bevorzugt. Das zweite ist kultureller Natur: Die Bevölkerung praktiziert wenig, und die Religion beeinflusst nicht die politischen Entscheidungen.

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Nehmen wir ein anschauliches Beispiel. Frankreich und Mexiko gehören zu den sehr wenigen Ländern, die das Wort „Laizität“ (oder dessen Äquivalent) ausdrücklich in ihrer Verfassung verwenden. Diese formale Eintragung bleibt weltweit außergewöhnlich. Die meisten Demokratien, die den Staat von den Kulten trennen, tun dies, ohne diesen spezifischen Begriff zu verwenden.

Im Gegensatz dazu hat Schweden bis 2000 eine Staatskirche beibehalten, und Norwegen bis 2012. Diese beiden Länder gehören jedoch regelmäßig zu den am stärksten säkularisierten Gesellschaften der Welt. Das rechtliche Etikett sagt also nicht alles aus. Um die Laizität in der Welt zu vertiefen, müssen mehrere Betrachtungsweisen kombiniert werden: Verfassungstext, Finanzierung der Kulte, Rolle der Religion im Bildungswesen und tatsächliche Praxis der Bevölkerung.

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Universitätsfrau, die Dokumente über Laizität und Religionsfreiheit in einer öffentlichen Bibliothek studiert

Kriterien zur Einstufung der laizistischsten Länder

Internationale Rankings des Laizitätsgrads beschränken sich nicht darauf, zu überprüfen, ob eine Verfassung die Trennung von Kirche und Staat erwähnt. Wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere die des Programms „Religion and the Secular State“ der Universität Bologna, kombinieren mehrere Kriterien, um einen zuverlässigeren zusammengesetzten Index zu erstellen.

Hier sind die wichtigsten bewerteten Achsen:

  • Rechtliche Neutralität des Staates: keine offizielle Religion, Gleichbehandlung zwischen Konfessionen, kein religiöser Eid für öffentliche Ämter.
  • Finanzielle Autonomie der Kulte: Der Staat finanziert religiöse Institutionen nicht direkt oder tut dies auf strikt gleichberechtigter und freiwilliger Basis (z. B. freiwillige Kirchensteuer).
  • Garantierter religiöser Pluralismus: effektive Religionsfreiheit, Recht nicht zu glauben, keine Blasphemie im Strafgesetzbuch.
  • Trennung im öffentlichen Bildungswesen: keine verpflichtenden Religionskurse, Lehrpläne unabhängig von religiösen Autoritäten.

Dieser Typ von zusammengesetztem Index führt regelmäßig zu überraschenden Ländern an der Spitze. Frankreich ist dort vertreten, aber es ist nicht allein und selten an erster Stelle.

Nordische Länder und Ostasien an der Spitze der Rankings

Die Ergebnisse dieser Bewertungen stellen eine gängige Vorstellung in Frage: Laizität wäre ein hauptsächlich französisches oder westliches Modell. In Wirklichkeit dominieren die nordischen Länder und mehrere Staaten Ostasiens die Rankings der institutionellen Säkularisierung.

Schweden, Dänemark, Norwegen und Estland gehören systematisch zu den am stärksten säkularisierten Ländern. Ihre Bevölkerung weist sehr niedrige Raten religiöser Praktiken auf. Ihre Institutionen haben schrittweise die formalen Bindungen zu den historischen Kirchen gekappt, auch wenn einige Überreste bestehen bleiben (eine freiwillige Kirchensteuer in Dänemark, zum Beispiel).

Der Fall Japan

Japan stellt einen besonders interessanten Fall dar. Seine Nachkriegsverfassung verlangt eine strikte Trennung zwischen Staat und religiösen Organisationen. Die tägliche religiöse Praxis ist marginal, auch wenn shintoistische oder buddhistische Rituale das soziale Leben ohne dogmatische Bedeutung prägen. Japan kombiniert strikte rechtliche Trennung und geringen religiösen Einfluss auf die Politik, was es sehr hoch in den zusammengesetzten Indizes platziert.

Frankreich: ein singuläres Modell, nicht unbedingt das ausgefeilteste

Das Gesetz von 1905 über die Trennung von Kirche und Staat bleibt ein historischer Bezugspunkt. Die Französische Republik verankert die Laizität als verfassungsmäßiges Prinzip. Dieser rechtliche Rahmen gehört zu den explizitesten der Welt.

Frankreich zeichnet sich durch das Verbot der öffentlichen Finanzierung von Kulte aus (mit bemerkenswerten Ausnahmen in Elsass-Lothringen) und durch ein aktives Verständnis von Neutralität im öffentlichen Raum, insbesondere im Bildungswesen. Das französische Modell ist rechtlich radikal, aber nicht einzigartig in seinen konkreten Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Vielfältige Gruppe von Bürgern, die an einer zivilen Diskussion über Laizität und das Ranking der laizistischsten Länder der Welt teilnehmen

Warum statische Rankings schnell veraltet sind

Ein festgefahrenes Panorama der „laizistischen Länder“ stellt ein grundlegendes Problem dar: Die Beziehung zwischen Staat und Religion entwickelt sich ständig weiter. Seit Ende der 2010er Jahre haben mehrere Länder, die als sehr laizistisch gelten, ihren rechtlichen Rahmen verändert, manchmal in unerwarteter Weise.

Norwegen hat 2012 die lutherische Kirche formal vom Staat getrennt und damit ihren säkularen Charakter gestärkt. Schweden hatte dies 2000 ebenfalls getan. Diese jüngsten Entwicklungen zeigen, dass institutionelle Säkularisierung ein Prozess ist, kein fester Zustand.

In die andere Richtung haben einige Länder, die in den Listen der „laizistischen Länder“ standen, gesehen, wie die Religion wieder Einfluss auf den öffentlichen Raum gewann, durch politische Parteien oder Bildungsreformen. Ein vor fünf Jahren veröffentlichtes Ranking kann daher bereits überholt sein.

Die Vergleichung der Laizitätsgrade zwischen Ländern erfordert auch, die lokalen religiösen Kontexte zu berücksichtigen. Ein Land mit einer starken Mehrheit einer einzigen Konfession verwaltet die Neutralität nicht auf die gleiche Weise wie ein multikonfessionelles Land. Das Recht der Kulte in Deutschland (System der anerkannten Kulte mit Kirchensteuer) hat nichts mit der strikten Trennung nach französischem Vorbild zu tun, und dennoch ist die Religionsfreiheit dort solide garantiert.

Die Einstufung der „laizistischsten“ Länder hängt letztlich von der Wahl der Kriterien ab. Wenn man den Verfassungstext priorisiert, stehen Frankreich und Mexiko an der Spitze. Wenn man die tatsächliche Säkularisierung der Gesellschaft misst, haben die skandinavischen Länder, Estland und Japan die Oberhand. Kein einzelnes Ranking erfasst die gesamte Komplexität der Beziehung zwischen einem Staat, seinen Gesetzen und den Überzeugungen seiner Bevölkerung.

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